Schwerer Brocken

Bereich über die Bestimmung und Zuordnung der Minerale und Kristalle

Schwerer Brocken

Beitragvon Unknow Stone? » 2. Februar 2010, 20:38

Hallo zusammen und danke dafür das es dieses forum gibt,

ich hab bei meinen großeltern im schrank einen relativ schweren 'stein' gefunden. die großeltern können zu dem ding nix sagen. um so weniger ich davon weiß um so neugieriger macht er mich.

ich denk nicht das es sich dabei um einen stein handelt, so wie er in der hand liegt und wie er aussieht wird es sich ehr um ein metallerz bzw um irgendein gediegenes metall handeln. ich werd versuchen die seiten zu beschreiben :)

die maße sind ca. 8cm x 5cm x 6cm. ich hab ebenfalls mal die dichte gemessen (nach Archimedis) bin da bei 6,85 kg/dm³ gelandet, also schon kein leichtgewicht. der brocken (wenn man ihn wie ein Quader beschreibt) hat 2 aneinanderliegenden seiten welche eine deutliche feine kristalline sturktur zeigen (1.jpg ,2.jpg):

edit: das stück leitet elektrischen strom und wenn man einen magneten dran hält bleibt er kleben.

kristallstruktur: kleine feine filigrane stäbchenbündel, dunkelgrau, auf der groberen seite (stäbchen größer) liegen diese bündel zufällig angeordnet da (so wie mikadostäbchen), auf der feineren seite (kleinere stäbchen) sind diese fast alle ungefähr in eine richtung ausgerichtet (erkennt man auf dem bild schlecht).

auf alle anderen seiten lässt sich bei sehr genauem hinsehen ebenfalls (mit ein bisschen fantasie) diese struktur erkennen, nur wesendlich kompakter und feiner. metallisch glänzend, schwach irisirend bunt. es lässt sich auch an einigen stellen leichter feiner rost erkennen, besonderst an den grenzen zu den 'kristallseiten' (3.jpg, unterer und linker rand)

auf grund der dichte dachte ich zuerst an antimon, jedoch kommt dies wohl nicht in dieser form vor.

vllt hat ja jemand von euch eine idee, bin für alle anregungen dankbar.

mfg
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Re: Schwerer Brocken

Beitragvon McSchuerf » 3. Februar 2010, 16:42

Hallo Erik,

zunächst mal willkommen im Forum! :)

Deiner exakten Beschreibung und den Bildern nach, könnte es sich durchaus um das seltene Blei-Antimon-Sulfid Zinkenit (Zinckenit) - ein metallischglz. Erzmineral - aus der Caspari Zeche bei Uentrop, Sauerland, NRW handeln! "Antimongehalte" hast Du ja auch selbst schon vermutet. :wink: .. typisch sind hierfür die nadligen, auch z.T. mehr radialstrahlig angeordneten, bleigrauen bis stahlgrauen Nadeln. Die Dichte beträgt bei Zinkenit allerdings 5,3 .. es könnte sich aber auch um eine Gemenge aus Boulangerit, Zinkenit, Chalkopyrit und Stibiconit handeln .. sowie z.T. auch um Pseudomorphosen von Stibiconit nach Zinckenit. Die Dichte kann dann auch eine etwas andere sein bzw. auch mal stärker schwanken. Alle Kristalle würden dann auf Kieselschiefer-Matrix sitzen. Die Schwere des Stücks passt auch zum Bleigehalt.
Die bunten Anlauffarben wären dafür auch charakteristisch; diese werden immer durch dünnste Oxidationshäutchen auf der Oberfläche der kleinen Nadeln verursacht.
Ich selbst habe auch so ein Zinckenit-Stück in meiner Sammlung! .. daher bin ich auch ziemlich überzeugt davon, dass das auch so eine Stufe sein könnte!

Folgendes Zitat von Dir würde auch genau darauf passen ..
kleine feine filigrane stäbchenbündel, dunkelgrau, auf der groberen seite (stäbchen größer) liegen diese bündel zufällig angeordnet da (so wie mikadostäbchen), auf der feineren seite (kleinere stäbchen) sind diese fast alle ungefähr in eine richtung ausgerichtet (erkennt man auf dem bild schlecht).


Nur eine Röntgenanalyse kann aber hierbei Gewissheit bringen! :D

Waren denn Deine Großeltern vielleicht irgendwann mal im Sauerland zugegen? Wenn Du mir eine Fundortangabe nennen könntest, wären wir in punkto Gewissheit sicher auch ein ganz großes Stück weiter!

http://www.mindat.org/min-4417.html

http://www.mindat.org/loc-9669.html

übrigens.. Erze sind auch "Steine". Alle natürlich vorkommenden Metalle sind Erze. Alle Erze sind auch Mineralien; hier: mit industriell verwertbarem"Ziel"!


Beste Grüße
Peter
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Re: Schwerer Brocken

Beitragvon Unknow Stone? » 3. Februar 2010, 17:50

hallo peter,
danke für deine antwort :) , ich hab mich gestern noch ein bisschen mit dem brocken beschäftigt. unter anderem ist dabei herausgekommen, dass er strom leitet und magnetisch( also magnete bleiben daran kleben) ist. heute hab ich versuch einen kratzer hinein zu bekommen, das ergebniss was sehr abträglich für unseren besteckkasten und ein einmachglas, also geh ich von einer mohs-härte von mindestens 7 aus (ich hab leider nix härteres zum ritzen ).

meine großeltern kommen aus den neuen bundesländern und haben den stein wohl schon einiges länger als 20jahre in ihrem besitz, ich glaub dann kann es zinkenit schon fast nichtmehr sein :(

kann es sein das es so etwas wie legiertes eisen ist, das würde zumindest die feinen rostflecken und die hohe härte erklären (ich denk da an sowas wie stahl), ich weiss leider nicht ob sowas in der natur so vorkommen kann.

mfg
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Re: Schwerer Brocken

Beitragvon McSchuerf » 3. Februar 2010, 18:19

Hallo Erik,

dass mit dem Magneten hatte ich jetzt völlig überlesen.. :shock: :? ich denke, dann wird das leider auch nur wieder eine von den üblichen Eisenschlacken aus einer Verhüttungsanlage sein.

Gruß Peter
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Re: Schwerer Brocken

Beitragvon Unknow Stone? » 4. Februar 2010, 12:43

das wär echt schade wenns nur eisenschlacke ist, es sieht garnicht so aus als wär es einmal geschmolzen gewesen und es rostet ja auch eigendlich nicht, aber ich hab auch ehrlichgesagt kaum ahnung wie eisenschlacken aussehen können.

aber die tatsache das es magnetisch ist (an unterschiedlichen stellen unterschiedlich stark) beschränkt die sache ja auf eisen, nickel und kobalt. die curietemperatur werde ich wohl nicht rausbekommen da ich hier kein geeignetes thermometer hab. evtl. nickelerz (pentlandit), ich hab im mineralienatlas ein ähnliches bild gefunden.

http://www.mineralienatlas.de/lexikon/index.php/Bildanzeige?pict=1205256241

mfg
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Re: Schwerer Brocken

Beitragvon McSchuerf » 4. Februar 2010, 19:29

Hallo Erik,

nicht alle Schlacken sind magnetisch; Eisenschlacken meist schon. Meist sind diese auch zumindest teilweise blasig bzw. porig. Danach könntest Du noch mal genau auf Deinem Stück suchen. Oder mal eine Ecke abschlagen und den Bruch beschreiben. Wenn dann Ecke glasig-muschlig, wären wir sicher noch ein Stück weiter.

Ansonsten .. Pyrrhotin oder Pentlandit sind nicht grau sondern meist tombakbraun oder braunmetallisch-glz. - magnetisch ja .. aber ich tippe dann eher bei Deinem Stück auf Magnetit oder Ilmenit. Bei beiden Stücken passt dann auch die stahlgraue Farbe und derber bzw. massiver Magnetit zeigt auch oft blaugraue oder buntige Anlauffarben wie bei Deinem Stück. Magnetit und Ilmenit sind außerdem magnetisch. Ich müsste schon eine Mikroskopaufnahme von den Stäbchen und deren Anordung sehen, um mehr sagen zu können.
Mein Bauchgefühl sagt allerdings immer noch: Schlacke.

Gruß Peter
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Re: Schwerer Brocken

Beitragvon Unknow Stone? » 4. Februar 2010, 23:58

hi peter,
mir ist es gelungen eine bessere kamera zu organisieren, man erkennt die krisalle hier besser. leider ist es mir nicht gelungen ein stück abzuschlagen, ist einfach zu hart, ich muss dazu sagen das ganze stück sieht aus wie irgendwo herausgebrochen. blasen oder solche poren wie die meinst sind auch keine drauf.

hier noch 2 bilder, vllt hilft das ja weiter.
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Re: Schwerer Brocken

Beitragvon McSchuerf » 5. Februar 2010, 16:36

Hallo Erik,

Kurzfassung:
Es bleibt jetzt definitiv bei meiner zweiten Antwort: Eisenschlacke! :D

Langfassung:
Nach meinen neuesten Recherchen und anhand Deiner neuesten Bilder, bin ich mir nun ziemlich sicher, dass es sich um eine sog. fayalitische Eisenschlacke handelt (ob aber aus der Römerzeit oder aus neuerer Zeit weiß ich nicht ..auch, ob aus Verhüttung oder aus Stahlverarbeitung nicht ..)

Eine fayalitische Eisenschlacke, allerdings bestehend aus den Mineralien Fayalit, Wüstit, Magnetit und dem "unnatürlichen Material Iscorit" u.a... daher wohl auch das hohe Gewicht und durch die Kombination weiterer Minerale kommt man sicher schon auf eine Dichte von 6 + ... Magnetisch passt auch.. Aussehen passt jetzt haargenau.. zuerst dachte ich alllerdings noch an die graue Disthen-Varietät Rhätizit (= Kyanit-Varietät, die genau auch solche strahlig-stengeligen Aggregate bildet .. aus Rumänien ..)... aber das scheidet dann doch aus.

Habe aber im Folgenden noch ein paar hilfreiche Links für Dich ..

http://www.mindat.org/photo-151286.html (ein Beispiel für Fayalit aus Mindat.org)

Schau Dir mal bitte hier die Bilder zum Fayalit an .. übrigens hier auch aus einem Schlackevorkommen .. und vergleiche dann mal bitte genau die Farbe und das strahlig-stenglige Aussehen mit insbesondere Deinem letzten hier gezeigten Foto unter dem Mikroskop! .. :D ..da bleibt wohl kaum mehr ein Zweifel übrig, denke ich .. falls aber doch noch, dann wende Dich am besten mal an eine Uni zum Bestimmen (am besten mal vorbeigehen) oder lass das Stück am besten mal einer Röntgenanalyse unterziehen.. 2 evtl. Ansprechpartner hierzu könnte ich Dir dann nennen 8)

http://www.uni-mainz.de/FB/Geo/Geologie ... go-3a.html (schau Dir bitte auch mal hier .. etwas weiter unten ..das Foto zur fayalitischen Eisenschlacke an ..sieht auch fast genau so aus wie Dein Foto!)

http://www.uni-geochem.gwdg.de/extern/c ... d_2003.pdf

http://www.ufg.uni-freiburg.de/d/publ/smeltexp.html

Beste Grüße
Peter
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